Sicherstadt - Interview

Sicherstadt - Interview

Interview mit Jaromir Ctrnacty (Gründer der Firma Sicherstadt)

veröffentlicht am 12. März auf www.survivalscout.de

Ich heiße Jaromir Ctrnacty, bin 30 Jahre alt. Ich habe Ökonomie und Ökologie studiert, dann 6 Jahre lang im Energiebereich gearbeitet. Ende 2013 habe ich die Firma Sicherstadt gegründet, unter dem Motto: Die erste Krisenvorsorge für Stadtmenschen. J.Ctrnacty
 

 

Die Inhalte der vor Ihnen angebotenen Konservendosenprodukte sehen sehr lecker aus und haben mit 10 Jahren eine wirklich große Haltbarkeit. Wie gelingt das ohne Konservierungsstoffe?

Es ist nicht so, dass alle Dosen-Bistro Konserven absolut frei von Konservierungsstoffen sind. Als Konservierungsstoff gilt schließlich z.B. bereits Zitronensaft oder Pökelsalz. Im Grunde gilt aber: die Produkte, die auch im normalen Geschäft ohne Konservierungsstoffe verkauft werden (Beilagen, Kartoffeln oder Schweinebraten und Kasseler – also reines Fleisch), sind bei Dosen-Bistro ebenfalls ohne Konservierungsstoffe. Bei den Produkten, für die auch normalerweise eine geringe Menge an Konservierungsstoffen gebraucht wird (vor allem Wurstwaren), werden diese auch bei Dosen-Bistro genutzt. Es werden aber keine zusätzlichen Konservierungsstoffe genutzt, um die 10 Jahre Haltbarkeit zu erreichen. Die lange Haltbarkeit wird vor allem durch den Konservierungsprozess erreicht. In speziellen Überdruck-Maschinen (Autoklaven) werden die Gerichte in einem automatisch gesteuerten Prozess für mindestens 15 Minuten erhitzt, wobei die „Kerntemperatur“ 120 Grad Celsius beträgt. Dadurch werden alle Keime abgetötet und die Konserven bei Raumtemperatur für 10 Jahre ohne Bedenken lagerfähig gemacht. Weil diese Produkte schon seit 2001 hergestellt werden, ist die Wirksamkeit dieser Technologie schon erprobt und bewiesen.

Wie sieht es grundsätzlich mit anderen Inhaltsstoffen aus, wenn man sie mit normalen Konservengerichten vergleicht?

Alle Dosen-Bistro Gerichte werden ausschließlich “handwerklich” und nicht industriell hergestellt. Das bedeutet, dass alle Produkte täglich frisch wie in einer Großküche erzeugt werden. So werden z.B. die Zwiebeln frisch aufgeschnitten und angebraten und anschließend verarbeitet. Im industriellen Prozess werden Fertigwaren wie Röstzwiebeln etc. verarbeitet. Da in diesem Fall die Produkte große Zeitspannen zwischen der Herstellung und der Verarbeitung benötigen, sind Zusatzstoffe notwendig. Dies ist bei den Dosen-Bistro-Gerichten nicht der Fall.

Welchen Zeitraum empfehlen Sie für die eigene Krisenvorsorge?

Es kommt ja darauf an, wofür man sich vorbereiten will. Ob für „das Ende der Welt“, oder für weniger fatale, daher aber wahrscheinlichere Ereignisse. Zwischenfälle wie z.B. ein flächendeckender Stromausfall oder Unterbrechung der Versorgungskette während Hochwassers gab es in Deutschland schon mehrmals. Diese können in einer kurzen Zeit für jeden Betroffenen recht ungemütlich werden.

Sich für mehrere Monate autark zu machen, ist bestimmt kein Fehler. Realistisch gesehen, werden sich aber die Menschen nur ausnahmsweise solche umfangreiche Maßnahmen leisten können. Daher folgt Sicherstadt in diesem Punkt der „offizielle Staatslinie“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz: Jeder Bürger sollte einen kompletten Vorrat für 2 Wochen zu Hause haben. Damit wird man für 95 % denkbaren Fälle geschützt und kann in einer Krisensituation Ruhe bewahren.

Bemerkenswert finde ich, dass Sie für Kunden in finanzieller oder sozialer Notlage spezielle Konditionen und Lösungen anbieten. So gibt es quasi wirklich keine Ausrede mehr, dass man es sich nicht leisten kann oder es zu aufwendig wäre.

Der Hauptgrund dafür, individuelle Bedingungen oder Lösungen in diesen Fällen anzubieten, war ein einfacher. Ich habe zwar eine Firma gegründet und muss mich „um die Zahlen kümmern“. Ich möchte aber nicht so nachdenken: „Du hast kein Geld – als Kunde und Mensch existierst du also nicht“. Dieser Einstellung begegnet man heutzutage relativ oft. Mir ist es unangenehm und ich möchte diese Manieren nicht übernehmen.

Ab 100 € gibt es noch ein spezielles Geschenk, erzählen Sie uns mehr darüber.

Der Roman „Blackout“ von Marc Elsberg beschreibt sehr fundiert und packend, wie ein zweiwöchiger europaweiter Stromausfall im Winter aussehen würde. Es wird einem beim Lesen schnell klar, dass „kein Strom“ gar nicht nur „kein Licht“ heißt, sondern auch „kein Geld, kein Essen, keine Wärme, keine Informationen, keine Sicherheit“. Die Verletzbarkeit einer modernen Gesellschaft wird hier klar dargestellt. Eigentlich war dieser Roman für mich einer der wichtigsten Anstöße, ein Unternehmen im Bereich „Bevölkerungsschutz und Krisenvorsorge“ zu gründen.

Krisenvorsorge sollte uns allen ein großes Anliegen sein, damit im Falle eines Falles, der hoffentlich nie eintreten wird, große Bevölkerungsanteile ausreichend mit allen notwendigen Dingen des täglichen Bedarfs versorgt sind und damit ein mögliches Chaos vermindert oder aufgehoben werden kann. Wie und was sind Ihre Beweggründe, wie sind Sie auf das Thema gekommen, was treibt Sie an?

Erst einmal zu den Beweggründen. Offen gesagt – ich wollte einen Weg finden selbständig zu werden. Dabei wollte ich aber niemandem Schaden verursachen und idealerweise auch etwas Sinnvolles machen. So eine Kombination zu finden ist nicht gerade einfach.

Beim Studium (Ökologie und Volkswirtschaft) und dann später im Berufsleben habe ich allmählich folgendes „Weltbild“ gewonnen: Wir leben in einer SEHR guten Zeit, ohne dies zu merken. Ich nehme zwar weiterhin die großen Bedrohungen und Probleme wahr – die wachsende Staatsverschuldung, das Demokratie-Defizit in der EU, den Klimawandel. Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir in Mitteleuropa – historisch und geographisch gesehen – außergewöhnlich gute Zeiten erleben. Es muss schließlich fast niemand frieren oder hungern, reines Wasser ist eine Selbstverständlichkeit, es gibt Strom, Licht, Informationen. Allerdings: Sollte „das System“ nur für eine Weile ausfallen, wären wir spätestens nach wenigen Tagen völlig auf fremde Hilfe angewiesen.

Kurzum – die Gesellschaft, wie wir Sie heute kennen, ist relativ reich, frei und friedlich, dabei aber extrem verletzbar. Ich möchte dazu beitragen, dass sich möglichst viele Menschen etwas sicherer fühlen können und dass dadurch die ganze Gesellschaft widerstandsfähiger und stabiler wird.

Was empfehlen Sie zur Sicherheit vielleicht noch darüber hinaus, was man nicht in Ihrem Shop kaufen kann, was vielleicht über den bloßen Produkterwerb hinausgeht, was man also noch tun sollte, um sich und die nächsten Angehörigen vor einer Krise zu schützen?

Die physische, materielle Krisenvorsorge ist wichtig, noch wichtiger finde ich aber zwei andere Dinge. Erst einmal sich überhaupt darüber klar zu werden, was man alles zum Leben WIRKLICH braucht und dass diese Sachen keineswegs garantiert sind. Und zweitens – nicht alleine dazustehen. Mindestens ein paar Freunde, Angehörige oder Bekannten zu haben, die auch ein bisschen vorausdenken, und mit denen man sich in jeglicher schweren Situation gegenseitig unterstützen kann.